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 Stern vom 1.11.04

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"... das wenden die Leute heut' ein: Der Vermittler damals hat gesagt, brauchst' dich darum nicht zu kümmern, brauchst' auch kein Geld zu haben. Das regelt sich alles von selber. Und lass' 20 Jahre 'rumgehen, dann gehört dir die Hütte und du hast 'ne prima Altersversorgung. Und dann frag' ich mich immer: Wer ist denn so blauäugig? Denn - wenn das zuträfe - dann kann er sich die ganze Bundesrepublik kaufen." (O-Ton BADENIA-Chef Dietrich Schröder in der ZDF-Sendung Mona-Lisa am 30.10.2004
 

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Das Mädchen, die Bausparkasse und der Tod

Anja Schüller brachte sich um, weil ein Immobilienkauf sie ruiniert hatte. Sie ist das vierte Selbst-mordopfer, das auf ein Angebot der Badenia hereingefallen war.

Sie backte sich noch einmal einen Himbeerkuchen, ihre Lieblingstorte. "Vielleicht kommt mich ja jemand besuchen", sagte sie ihrer Mutter am Telefon. Danach schrieb Anja Schüller vier Abschiedsbriefe und brachte sich fachmännisch ums Leben. Die gelernte Operationsschwester befestigte eine Infusionsflasche an der Wand neben ihrem Bett, legte sich auf dem rechten Handrücken einen venösen Zugang und ließ elf Ampullen Narkosemittel und Benzodiazepine in ihren Körper strömen. Benzodiazepine bannen Angstzustände, in massiver Dosierung auch die Todesangst. Die Medikamente hatte sie am Arbeitsplatz in der Würzburger Uni-Klinik mitgenommen.

Ihre Eltern fanden sie am 17. September 2004. "Hallo ihr zwei!", stand in dem Brief, mit dem sich Anja von Klaus und Heimgard Schüller verabschiedete, "mal gewinnt man, mal verliert man! Ich habe nicht mehr die Kraft zu kämpfen, um irgendwann einmal zu gewinnen É Ich liebe euch." Anja Schüller war eine schöne junge Frau. Sie wurde nur 28 Jahre alt.

Im Polizeiprotokoll wurde festgehalten: "Selbsttötung durch Vergiftung, Verätzung. Wegen wirtschaftlicher Notlage." Der Beamte, der den Selbstmord untersuchte, fügte hinzu: "Grund für den Suizid dürfte der Eingang eines Pfändungsbeschlusses am 7. 9. 04 über einen Betrag von 70 046,99 Euro plus zwölf Prozent Zinsen plus Kosten sein." Die Vollstreckungsurkunde fand sich auf dem Boden des Schlafzimmers. Als Gläubiger zeichnete die Deutsche Bausparkasse Badenia AG mit Sitz in Karlsruhe.

Anja Schüller hatte sich 1999 eine 52 Quadratmeter große Wohnung in einem Plattenbau aus DDR-Zeiten in Chemnitz andrehen lassen. Gelegen an einer stark befahrenen Straße in schwierigem sozialem Milieu, damals 137 000 Mark teuer. Anja hatte kein Eigenkapital. Kein Problem, sagte der Verkäufer, das finanziere sich über zwei Bausparverträge mit der Badenia; Steuerersparnis und Mieteinnahmen deckten deren Raten. Obendrein wurde ihr eine Risikolebensversicherung über 38 680 Euro bei der Aachener und Münchener Lebensversicherung aufgeschwatzt.

Es kam am Ende wie so oft beim Kauf von Schrottimmobilien: Die versprochene Miete ließ sich nicht erzielen, Anja Schüller konnte nicht mehr zahlen, musste den Offenbarungseid ablegen. Sie schämte sich schrecklich. Bald danach forderte die Badenia per Pfändung 70 000 Euro von ihr. Ihr Vater sagt: "Die Badenia hat unsere Tochter in der Tod getrieben."

Klaus Schüller kommentiert das Vorgehen der Badenia mit bitteren Worten: "Wer einer 22-Jährigen einen solchen Schweinevertrag andreht, handelt für mich kriminell und menschenverachtend. Ich klage die Badenia-Verantwortlichen an, dass sie durch den Druck, den sie ausübten, Anja in den Tod trieben. Sie haben sie in eine ausweglose Situation gezwungen - mit ihrer Profitgier und der Jagd nach Rendite bringen sie Leuten den Tod."

Anja Schüller ist der vierte Selbstmord, den Badenia-Kritiker der viertgrößten deutschen Bausparkasse zurechnen: Hans-Dieter Wosmann aus Gütersloh nahm sich vor drei Jahren als Erster das Leben. Ihm folgte der Müllwerker Harald Hempel aus Lünen, der in seinem Abschiedsbrief hinterließ, dass er mit den Schulden nach dem Kauf einer überteuerten Wohnung nicht mehr leben wolle. Im September vergangenen Jahres erhängte sich der Berliner Bernd Müller-Weiland, weil ihm der Offenbarungseid drohte.

Die vier Toten gehörten zu jenen mindestens 8000 Menschen, die sich in den vergangenen Jahren Schrottimmobilien andrehen ließen, deren Kauf sie dann über die Badenia Bausparkasse finanzierten. Die Verkäufer gaukelten ihren Kunden vor, die Immobilien finanzierten sich quasi von selbst. "Vollfinanzierung ohne Eigenkapital", wurde in Hochglanzprospekten versprochen. Die Wahrheit war: Die Wohnungen waren wegen der im Kaufpreis versteckten Maklerprovisionen (teilweise mehr als 30 Prozent) völlig überteuert, die versprochenen Mieteinnahmen flossen häufig nicht, und Steuern wurden kaum gespart, weil die geköderten Klein- und Mittelverdiener ohnehin nur wenig beim Finanzamt ablieferten.

Andreas Mertens, als Geschäftsführer der Vermittlungsfirma Heinen & Biege einst führend am Verkauf der von der Badenia finanzierten Objekte beteiligt, räumt heute offen ein: Sie waren nur 50 bis 60 Prozent des Kaufpreises wert. Und in einer TV-Sendung ("Betrifft") des Südwestrundfunks über die dubiose Geschäftemacherei gestand er: "Die Badenia hat genau gewusst, was und wie vertrieben wurde." Die Badenia ist eine Tochter des Finanzkonzerns AMB Generali Holding AG. Der AMB-Konzern wiederum ist mit 50 Prozent an der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) beteiligt. Im DVAG-Aufsichtsrat sitzt Ex-Finanzminister Theo Waigel, im DVAG-Beirat ein halbes Dutzend ehemalige Spitzenpolitiker, mit Altkanzler Helmut Kohl als Vorsitzendem. Als im Februar Badenia-Geschädigte in Kohls Wohnort Oggersheim demonstrierten, forderten sie auf Transparenten: "Wir wollen keine Selbstmorde mehr, Herr Dr. Kohl!" Der Altkanzler soll sich für die Demonstranten mit dem Satz eingesetzt haben: "Lasst doch die armen Teufel in Ruhe!" Doch die DVAG macht unverdrossen Reklame für die Badenia mit dem Slogan "Der sicherste Weg zur eigenen Immobilie".

Gerhart Baum, Ex-Bundesinnenminister, kann nicht verstehen, weshalb seine ehemaligen Kollegen ihre Einflussmöglichkeiten bei der Badenia nicht nutzen, um den bedrängten Menschen zu helfen: "Alle Versuche, ein Einlenken der Badenia zu erreichen, sind gescheitert." Er könne nicht begreifen, "dass in systematischer Weise so viele Menschen getäuscht und um ihr Geld gebracht worden sind".

"Hallo ihr zwei! Mal gewinnt man, mal verliert man! Ich habe nicht mehr die Kraft zu kämpfen, um irgendwann einmal zu gewinnen"aus dem Abschiedsbrief von Anja Schüller an ihre Eltern  

Gegenüber der Düsseldorfer Kanzlei Reiter - sie vertritt gemeinsam mit Baum zahlreiche Geschädigte - sperrt sich die Badenia selbst in erkennbar "hoffnungslosen" Fällen gegen Vergleiche, im Gegensatz zu anderen Kreditinstituten. Zum Beispiel bei Giuseppe B.: Der verheiratete Alleinverdiener mit Kind ist arbeitslos und bekommt wöchentlich 243 Euro. Gepfändet werden könnte bei ihm nur, wenn sein Monatseinkommen mehr als 1480 Euro betrüge. Dennoch war die Badenia bisher zu keinem Vergleich bereit. In zwei Jahren konnte die Anwaltskanzlei von 130 Fällen zahlungsunfähiger Badenia-Kunden lediglich 16 außergerichtlich regeln. Für Baum erfolgt die Abwicklung "sehr zynisch gegenüber den Lebensschicksalen der Betroffenen". Briefe Baums an den Generali-Aufsichtsratschef Wolfgang Kaske, er möge sich bei der Badenia für eine Änderung deren Kurses verwenden, blieben ohne Wirkung. Kaske antwortete nur, er verfolge die Entwicklung bei der Badenia "sehr aufmerksam". Dann müsste er auch Elmar Agostini ins Visier nehmen, bis 2001 Finanzvorstand der Badenia. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Mannheim wegen Betrugs zum Nachteil der Kleinanleger. Unterlagen, die dem stern vorliegen, weisen darauf hin, dass Agostini mit einer eigenen Firma an umstrittenen Wohnungsverkäufen beteiligt war. Sie zeigen, behauptet der Opfer-Anwalt Julius Reiter, "dass sich Agostini sogar persönlich bereichert hat". Gegenüber dem stern weist Agostini alle Vorwürfe zurück.

Das Lippenbekenntnis Kaskes hat Anja Schüller nicht geholfen, wie Baum mit bitteren Worten Kaske vergangene Woche mitteilte. Der Tod der Krankenschwester sei "auf das Verhalten der Badenia und einen kurz vor dem Selbstmord erhaltenen Brief der Badenia zurückzuführen". In dem Schreiben hatte die Bausparkasse ohne jede Vorwarnung und ohne Rücksprache mit der Kanzlei Reiter, die den Fall seit anderthalb Jahren betreute, die bereits vollzogene Lohnpfändung mitgeteilt. Baum: "Frau Schüller ist ein Badenia-Opfer, der vierte uns bekannte Selbstmord eines Badenia-Kunden." Die Badenia schweigt zu allen Vorwürfen.

Wegen des "Gaunervertrags", an dem seine Tochter zerbrach, hat sich Klaus Schüller jetzt an Kanzler Schröder gewandt. "Lieber Genosse Gerhard", schrieb der Gewerkschaftsfunktionär, "kannst du dir vorstellen, was wir durchlebt haben, als wir unsere geliebte Tochter in ihrem Bett tot aufgefunden haben?" Schüller, einer der Ersten, die im Herbst 1989 mit einer Kerze in der Hand gegen das SED-Regime auf die Straße gingen, fordert von der SPD, endlich Gesetze auf den Weg zu bringen, mit denen die Verbraucher besser "vor der Versklavung durch ein unbarmherziges Bankensystem" geschützt werden. Und er fragt Schröder verzweifelt: "Müssen wir dem Raubtierkapitalismus auch unsere Kinder opfern?"

Hans-Peter Schütz und Rainer Nübel

URL: http://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/meldungen/index.html?id=531591

 

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Grafiken, im Jahre 2002 entworfen von  Andreas Leithäuser an der Uni Weimar nach einem Vortrag über Schrottimmobilien

 

Wer sich als Politiker nur einen Zentimeter Banken und Versicherungen nähert, entfernt sich meilenweit vom Verbraucher!

Wie macht man mit einer deutschen Bank ein kleines Vermögen?   ==>   Antwort hier

Hausmüll wird auf der Mülldeponie entsorgt, Schrottimmobilien beim Verbraucher

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Stand: 12. April 2010